Auf meinem Blog werde ich in regelmäßigen Abständen Unternehmen aus dem „Social Entrepreneurship“-Bereich vorstellen. Das erste Interview mit solch einem „sozialen“ Unternehmen führte ich mit drei jungen Männern aus Berlin, die ihren sicheren Job bei der Roland Berger Unternehmensberatung aufgaben, um eine Idee wahr werden zu lassen: Aufbauhilfe in Äthiopien leisten durch direkten Verkauf äthiopischen Gourmet-Kaffees. Zu diesem Zweck gründeten sie im Februar 2010 die Firma Coffee Circle in Berlin, um den äthiopischen Kaffeebauern ihren Gourmet-Kaffee abzukaufen, ihn im Internet zu vertreiben und mit dem Geld in dem afrikanischen Land Entwicklungsprojekte im Umfeld der Kaffeebauern finanziell zu unterstützen. Ihren Kunden möchten sie damit die Möglichkeit geben, mit dem Kauf eines ihrer Produkte die Welt jeden Tag ein Stück besser machen zu können.
SBG: Wo trinkt Ihr denn Euren Kaffee am liebsten?
CP: Wir trinken unseren Kaffee am liebsten in unserem Büro. Denn noch kennen wir kein Berliner Café, in dem man aromatischen, sortenreinen Kaffee z.B. in der French Press kredenzt bekommt. Und damit meinen wir keine Milchmischgetränke auf Espresso-Basis. Das klingt vielleicht etwas esoterisch, aber wir sind zuversichtlich, dass wir vielen Mitbürgern die Augen öffnen werden: So gut kann Kaffee schmecken!
SBG: Fairer Handel hat sich schon seit Längerem in den verschiedensten Bereichen der Märkte als Alternative durchgesetzt. Was unterscheidet Euch von den herkömmlichen „Fairtrade“-Kaffees?
CP: Der Geschmack und auch die weit höhere Unterstützung der Kaffeebauern. Das Fairtrade-System hat trotz seiner immensen Bedeutung für die Erreichung humanitärer Ziele einen großen Nachteil: Fairtrade bedeutet nicht automatisch gute Qualität. Oft finden wir Fairtrade-Kaffees, die nicht unseren Qualitätsansprüchen genügen. Das kommt daher, dass Bauern ihre hochwertigsten Kaffees am freien Markt zu einem vielfachen des Weltmarktpreises verkaufen. Was übrig bleibt, findet zu garantierten Mindestpreisen seinen Weg in das Fairtrade-Kaffeeangebot. Eine gute Quelle für weitere Stärken und Schwächen des Fairtrade-Systems ist der 2006 erschienene Artikel “Absolution in Your Cup”.
Wir hingegen kaufen nur Kaffees, die bei den Verkostungen (dem so genannten Cupping) Spitzenplätze erreichen. Für diese bezahlen wir ein Vielfaches des Kaffeeweltmarktpreises. Neben Spitzenpreisen fließt für unsere Projekte ca. fünf Mal so viel Geld zurück wie beim Kauf der gleichen Menge Fairtrade-zertifizierten Kaffees. Deswegen können wir auch getrost von einem neuen Handelskonzept sprechen.
SBG: Wie wird sich das Konzept, mit dem Kauf eines Produktes gleichzeitig etwas Gutes zu bezwecken, künftig auf dem Markt entwickeln?
CP: Die Verbreitung wird zunehmen, aber nur die wenigsten werden unserem Beispiel folgen. Globalisierung und Informationstechnologie machen es zunehmend einfacher, internationale Wertschöpfungsketten kosteneffizient und transparent zu betreiben. In den meisten Ländern der so genannten westlichen Welt ist es den Verbrauchern sehr wichtig, zu erfahren, wo und wie ihre Produkte hergestellt und verarbeitet wurden. Fairtrade und insbesondere Kaffee sind Vorreiter beim demokratischen Konsum: Ich kaufe so, dass es meiner Lebenseinstellung entspricht. Dies führt zu einem größeren Angebot und damit zu einer (geringen) Weltveränderung. Entsprechende Angebote werden also zunehmen und auch über Genußmittel und Fußbälle hinaus Verbreitung finden.
Auf der anderen Seite nehmen es die meisten Anbieter nicht sehr genau mit der Transparenz. Das hat unlängst eine Untersuchung der Stiftung Warentest im Bereich Bio-Baumwoll-Textilien schmerzhaft herausgestellt. Man bedient sich der Siegel und schwingt große Marketingbanner ohne die Dinge auch gründlich und konsequent zu betreiben.
Wir hoffen, dass wir mit unserem Beispiel des transparenten Kaffee-Kreislaufs Schule machen werden und dass uns andere Unternehmen nachfolgen.
SBG: Wie profitabel darf ein Unternehmen mit einem solchen Konzept werden, dass es noch als glaubwürdig gesehen wird?
CP: Das ist eine gute Frage. Jedes privatwirtschaftliche Unternehmen sollte einen Gewinn erwirtschaften. Abhängig von den angebotenen Produkten sollte dieser jedoch im Rahmen bleiben. Dabei beziehen wir uns explizit mit ein, den wir sind nicht nur ein soziales Unternehmen, sondern bieten auch Lebensmittel an. Wenn unsere Gewinne zu hoch wären (eine für die nächsten Jahre sehr, sehr hypothetische Annahme) sollten wir die Preise senken und die Gewinne sinnvoll re-investieren. Wir werden viele Monate brauchen, um Gewinne zu machen. Wenn dem so ist, planen wir, unsere Idee weiter zu verbreiten: Weitere Länder, weitere Produkte und unter’m Strich mehr Projekte in den Herkunftsländern.
SBG: Wie wichtig sind Eurer Meinung nach das Internet bzw. die sozialen Netzwerke für den Erfolg eures Konzepts?
CP: Für uns als kleines Unternehmen mit begrenzten Mitteln sind beide überlebenswichtig. Wir könnten weder traditionelle Werbung noch die Platzierung in den Regalen des Lebensmittelhandels finanzieren. Aber das sehen wir als Vorteil. Erstens haben wir so den direkten Draht zu unseren Kunden. Diese versorgen uns mit ungefilterten, zahlreichen Kundenmeinungen. Außerdem können wir die Kosten gering halten, da wir keine Ladenmiete mitfinanzieren müssen. Und zweitens macht Not erfinderisch. Wir müssen uns schon sehr genau überlegen, wie wir unsere Idee auf kreative Weise bekannt machen können.
SBG: Inwiefern helft Ihr mit Eurem Kaffeevertrieb den Menschen in Äthiopien?
CP: Wir spenden pro kg verkauften Kaffee 1 Euro für unsere eigenen Entwicklungsprojekte in Äthiopien. Wir waren mehrmals und über Wochen im Land unterwegs und haben uns die Kooperativen und Gemeinden, mit denen wir langfristig zusammenarbeiten wollen, sorgfältig ausgesucht. Unsere Projekte sind dem Bedarf vor Ort angepasst und wurden mit den Dorfräten zusammen definiert. Unsere Kunden können also mit jedem Schluck Kaffee dazu beitragen, dass es den Kaffeeproduzenten besser geht. Außerdem gehen wir mit den Kaffeebauern langfristige Verbindungen ein. Auf diese Weise können sie planen und erfahren, dass sich der aufwendige Anbau lohnt. Mit der Rückführung durch Projekte und den langfristigen Beziehungen können wir den Menschen den Stolz auf ihren Kaffee verschaffen, den sie zurecht haben sollten. Denn viel zu oft haben wir die Aussage gehört: “Ja, wir wissen, dass wir den weltbesten Kaffee anbauen. Aber das ist uns egal, denn für uns ändert sich nichts.“
SBG: Was ist es für ein Gefühl, von Armut betroffenen Menschen direkt helfen zu können?
CP: Ohne Globalisierung und Internet könnten wir unsere Idee nicht alleine und mit so begrenzten Mitteln umsetzen. Uns begeistert vor allem, dass wir nicht spenden, sondern lediglich transparent und fair handeln. Unseren Kaffeebauern wird es durch unsere Projekte langfristig immer besser gehen: Stabiles Einkommen, bessere Ausbildung bei Anbau, Ernte und Verarbeitung und schließlich eine immer bessere Grundversorgung in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Wir haben das Gefühl, die Dinge richtig zu machen!
SBG: Kennt Ihr noch andere Unternehmen, die nach dem gleichen uneigennützigen Konzept vorgehen bzw. hattet Ihr ein konkretes Vorbild?
CP: Nein, das haben und hatten wir nicht. Die Idee kam uns vor Ort, als wir bei der Eröffnung der Project-E-Schule mit anpackten.
SBG: Welche Motive haben die Menschen, die Eure Produkte künftig kaufen werden?
CP: Wir rechnen mit zwei Arten von Kunden. Für die einen steht der Geschmack und die Qualität unseres Kaffees eindeutig im Vordergrund. Die Entwicklungsprojekte sind für sie nett, aber nachrangig. Die zweite Gruppe ist gezeichnet von den bitteren, “typischen” Kaffee-Geschmäckern, die es in deutschen Supermärkten zu kaufen gibt: Kaffee bedeutet für sie Filterplörre, die mit Milch und Zucker trinkbar gemacht werden muss. Diese Gruppe begeistert der unerwartet gute Kaffeegeschmack und außerdem unsere Idee und die sorgfältige Umsetzung.
Im Gespräch mit “Coffee Circle” aus Berlin
Logo von "Coffee Circle"
Auf meinem Blog werde ich in regelmäßigen Abständen Unternehmen aus dem „Social Entrepreneurship“-Bereich vorstellen. Das erste Interview mit solch einem „sozialen“ Unternehmen führte ich mit drei jungen Männern aus Berlin, die ihren sicheren Job bei der Roland Berger Unternehmensberatung aufgaben, um eine Idee wahr werden zu lassen: Aufbauhilfe in Äthiopien leisten durch direkten Verkauf äthiopischen Gourmet-Kaffees. Zu diesem Zweck gründeten sie im Februar 2010 die Firma Coffee Circle in Berlin, um den äthiopischen Kaffeebauern ihren Gourmet-Kaffee abzukaufen, ihn im Internet zu vertreiben und mit dem Geld in dem afrikanischen Land Entwicklungsprojekte im Umfeld der Kaffeebauern finanziell zu unterstützen. Ihren Kunden möchten sie damit die Möglichkeit geben, mit dem Kauf eines ihrer Produkte die Welt jeden Tag ein Stück besser machen zu können.
CP: Wir trinken unseren Kaffee am liebsten in unserem Büro. Denn noch kennen wir kein Berliner Café, in dem man aromatischen, sortenreinen Kaffee z.B. in der French Press kredenzt bekommt. Und damit meinen wir keine Milchmischgetränke auf Espresso-Basis. Das klingt vielleicht etwas esoterisch, aber wir sind zuversichtlich, dass wir vielen Mitbürgern die Augen öffnen werden: So gut kann Kaffee schmecken!
CP: Der Geschmack und auch die weit höhere Unterstützung der Kaffeebauern. Das Fairtrade-System hat trotz seiner immensen Bedeutung für die Erreichung humanitärer Ziele einen großen Nachteil: Fairtrade bedeutet nicht automatisch gute Qualität. Oft finden wir Fairtrade-Kaffees, die nicht unseren Qualitätsansprüchen genügen. Das kommt daher, dass Bauern ihre hochwertigsten Kaffees am freien Markt zu einem vielfachen des Weltmarktpreises verkaufen. Was übrig bleibt, findet zu garantierten Mindestpreisen seinen Weg in das Fairtrade-Kaffeeangebot. Eine gute Quelle für weitere Stärken und Schwächen des Fairtrade-Systems ist der 2006 erschienene Artikel “Absolution in Your Cup”.
Wir hingegen kaufen nur Kaffees, die bei den Verkostungen (dem so genannten Cupping) Spitzenplätze erreichen. Für diese bezahlen wir ein Vielfaches des Kaffeeweltmarktpreises. Neben Spitzenpreisen fließt für unsere Projekte ca. fünf Mal so viel Geld zurück wie beim Kauf der gleichen Menge Fairtrade-zertifizierten Kaffees. Deswegen können wir auch getrost von einem neuen Handelskonzept sprechen.
CP: Die Verbreitung wird zunehmen, aber nur die wenigsten werden unserem Beispiel folgen. Globalisierung und Informationstechnologie machen es zunehmend einfacher, internationale Wertschöpfungsketten kosteneffizient und transparent zu betreiben. In den meisten Ländern der so genannten westlichen Welt ist es den Verbrauchern sehr wichtig, zu erfahren, wo und wie ihre Produkte hergestellt und verarbeitet wurden. Fairtrade und insbesondere Kaffee sind Vorreiter beim demokratischen Konsum: Ich kaufe so, dass es meiner Lebenseinstellung entspricht. Dies führt zu einem größeren Angebot und damit zu einer (geringen) Weltveränderung. Entsprechende Angebote werden also zunehmen und auch über Genußmittel und Fußbälle hinaus Verbreitung finden.
Auf der anderen Seite nehmen es die meisten Anbieter nicht sehr genau mit der Transparenz. Das hat unlängst eine Untersuchung der Stiftung Warentest im Bereich Bio-Baumwoll-Textilien schmerzhaft herausgestellt. Man bedient sich der Siegel und schwingt große Marketingbanner ohne die Dinge auch gründlich und konsequent zu betreiben.
Wir hoffen, dass wir mit unserem Beispiel des transparenten Kaffee-Kreislaufs Schule machen werden und dass uns andere Unternehmen nachfolgen.
CP: Das ist eine gute Frage. Jedes privatwirtschaftliche Unternehmen sollte einen Gewinn erwirtschaften. Abhängig von den angebotenen Produkten sollte dieser jedoch im Rahmen bleiben. Dabei beziehen wir uns explizit mit ein, den wir sind nicht nur ein soziales Unternehmen, sondern bieten auch Lebensmittel an. Wenn unsere Gewinne zu hoch wären (eine für die nächsten Jahre sehr, sehr hypothetische Annahme) sollten wir die Preise senken und die Gewinne sinnvoll re-investieren. Wir werden viele Monate brauchen, um Gewinne zu machen. Wenn dem so ist, planen wir, unsere Idee weiter zu verbreiten: Weitere Länder, weitere Produkte und unter’m Strich mehr Projekte in den Herkunftsländern.
CP: Für uns als kleines Unternehmen mit begrenzten Mitteln sind beide überlebenswichtig. Wir könnten weder traditionelle Werbung noch die Platzierung in den Regalen des Lebensmittelhandels finanzieren. Aber das sehen wir als Vorteil. Erstens haben wir so den direkten Draht zu unseren Kunden. Diese versorgen uns mit ungefilterten, zahlreichen Kundenmeinungen. Außerdem können wir die Kosten gering halten, da wir keine Ladenmiete mitfinanzieren müssen. Und zweitens macht Not erfinderisch. Wir müssen uns schon sehr genau überlegen, wie wir unsere Idee auf kreative Weise bekannt machen können.
CP: Wir spenden pro kg verkauften Kaffee 1 Euro für unsere eigenen Entwicklungsprojekte in Äthiopien. Wir waren mehrmals und über Wochen im Land unterwegs und haben uns die Kooperativen und Gemeinden, mit denen wir langfristig zusammenarbeiten wollen, sorgfältig ausgesucht. Unsere Projekte sind dem Bedarf vor Ort angepasst und wurden mit den Dorfräten zusammen definiert. Unsere Kunden können also mit jedem Schluck Kaffee dazu beitragen, dass es den Kaffeeproduzenten besser geht. Außerdem gehen wir mit den Kaffeebauern langfristige Verbindungen ein. Auf diese Weise können sie planen und erfahren, dass sich der aufwendige Anbau lohnt. Mit der Rückführung durch Projekte und den langfristigen Beziehungen können wir den Menschen den Stolz auf ihren Kaffee verschaffen, den sie zurecht haben sollten. Denn viel zu oft haben wir die Aussage gehört: “Ja, wir wissen, dass wir den weltbesten Kaffee anbauen. Aber das ist uns egal, denn für uns ändert sich nichts.“
CP: Ohne Globalisierung und Internet könnten wir unsere Idee nicht alleine und mit so begrenzten Mitteln umsetzen. Uns begeistert vor allem, dass wir nicht spenden, sondern lediglich transparent und fair handeln. Unseren Kaffeebauern wird es durch unsere Projekte langfristig immer besser gehen: Stabiles Einkommen, bessere Ausbildung bei Anbau, Ernte und Verarbeitung und schließlich eine immer bessere Grundversorgung in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Wir haben das Gefühl, die Dinge richtig zu machen!
CP: Nein, das haben und hatten wir nicht. Die Idee kam uns vor Ort, als wir bei der Eröffnung der Project-E-Schule mit anpackten.
CP: Wir rechnen mit zwei Arten von Kunden. Für die einen steht der Geschmack und die Qualität unseres Kaffees eindeutig im Vordergrund. Die Entwicklungsprojekte sind für sie nett, aber nachrangig. Die zweite Gruppe ist gezeichnet von den bitteren, “typischen” Kaffee-Geschmäckern, die es in deutschen Supermärkten zu kaufen gibt: Kaffee bedeutet für sie Filterplörre, die mit Milch und Zucker trinkbar gemacht werden muss. Diese Gruppe begeistert der unerwartet gute Kaffeegeschmack und außerdem unsere Idee und die sorgfältige Umsetzung.